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Was bei Vintage zählt – Post vom Stylingfräulein

Was bei Vintage zählt

Unser Stylingfräulein ist ein wunderbarer Mensch. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte: Ich habe selten solch eine inspirierende, hilfsbereite und humorvolle Person getroffen.
Ich bekam mit meinem „Vintage Blog“ schon öfter den einen oder anderen kritischen Kommentar zum Thema Authentizität zu hören: „Damals war das aber nicht so…“.
Ich führe mein Blog allerdings nicht mit der Intention Altes möglichst perfekt nachzuahmen, sondern verschiedene Stile ausprobieren und am liebsten täglich dazu lernen. Daher freue mich über jeden Kommentar, jede Anmerkung und Meinung.
Das Stylingfräulein stand und steht immer mit Rat und Tat auf meiner Seite, obwohl sie für mich durch ihr Wissen Authentizität verkörpert. Für sie gibt es allerdings keine Kreativität und eigenen Stil ohne den Bruch dem Vergangenen und der Authentizität. Aber lest selbst:

Liebe Leserschaft von meinvorgestern,

im Folgenden möchte ich ein paar Worte zum Thema Authentizität verlauten lassen, welche mir sehr am Herzen liegen. Dabei handelt es sich um meine eigene Auffassung betreffs dieser Vokabel.
Aber besser von Anfang an: Als Marina mich gebeten hat die ersten Tutorials mit ihr zu erarbeiten, kannte ich ihren Blog noch gar nicht (Anm. Marina: Nehme ich nicht übel, das war auch ziemlich zu Beginn des Blogs).
Zu Anfang schwebten mir Videos und Bildstrecken vor, die eine möglichst hohe Authentizität aufweisen sollten. Für mich beinhaltet dies nah an historischen Quellen orientiert zu arbeiten. Als Kunsthistoriker, der ich nun mal eben bin, wäre dies für mich persönlich eine interessante Recherche-Aufgabe gewesen, in der ich mich blendend hätte inszenieren können. Ferner zählte die Beschäftigung mit historisch akkurater Mode und Kosmetik so oder so schon seit geraumer Zeit zu meinen präferierten Freizeitaktivitäten. Mit diesen Gedanken und mannigfaltigen Plänen im Kopf begann ich Marinas Blog zu lesen und stellte Folgendes fest: So kann das nicht funktionieren!

Vintage – gegenwärtig und kreativ

Meinvorgestern stellt eine Plattform für all diejenigen zur Verfügung, welche sich kreativ und gegenwärtig mit dem Begriff Vintage auseinandersetzen und zwar aus der Sicht einer bodenständigen im Hier und Jetzt verhafteten Frau. Bei meinvorgestern wird ein klarer Individualitätsanspruch herausgestellt. Sei es musikalisch, veranstaltungstechnisch oder eben modisch.

Selbstbewusstsein trotz lebensverneinenden Medien

Vintage evolvierte in den letzten Jahren zu einem sehr dehnbaren – und zugegeben – oft ausgenutzten Begriff, der im Großen und Ganzen jedoch all diejenigen vereint, die sich kreativ mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Als Historiker kann ich diesen Trend nur gutheißen, in welchem alte Traditionen und Stilblüten erneut Beachtung finden. Sicherlich ist es auch oft für mich schwer mit anzusehen, wenn eine Dame im Tellerrock stolz ihre Victory Rolls präsentiert, dann jedoch rufe ich meinen inneren Aufschrei zurück und denke mir: „Danke lieber Vintage-Trend, dass du dieser Frau das Selbstvertrauen gibst, dass sie anders sein will als die austauschbaren Primark-Mädels und dass sie sich nicht um die Körperideale unserer lebensverneinenden Medien schert.“

Kreativität durch Bruch mit Akkuratesse

Mir wurde also bewusst, dass wenn ich solche Tutorials betreue, ich dies nicht für mich und meine historische Akkuratesse tue oder gar zur Selbstbeweihräucherung meiner Fähigkeiten (deswegen übrigens filmen wir ohne Ton und im Schnelldurchlauf) sondern um Anregung und Inspiration zu geben. Ich wünsche mir meinvorgestern damit zu bereichern, dass ich Damen (und Herren, man weiss ja nie….) dazu emanzipiere sich selbst zu verwirklichen und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Mode, Kosmetik, Stil können nur dadurch wachsen, dass Akkuratesse gebrochen wird…. ich darf kurz auf den Expressionismus in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts verweisen oder einfacher auf die ersten alltagstauglichen Hosen für die Frau von Coco Chanel. Wenn diese Damen und Herren sich permanent an die Norm gehalten hätten, wo wären wir dann jetzt?

Ferner geht es mir auch darum zu zeigen was möglich ist, wenn man auf der Suche nach seinem eigenen Stil ist und mir ist es ebenso wichtig herauszuarbeiten wie einfach Dinge werden können wenn man einfach einmal irgendwo beginnt (Wir planen zwar immer die Tutorials im Vorhinein, meist werfe ich dann jedoch an Ort und Stelle alles wieder über den Haufen).
Auch ich bin permanent auf der Suche nach neuen Dingen, auch ich trage wahnsinnig gerne geschwungenen Eyeliner zu einem 40er Jahre Kleid und warum? Weil ich mich damit in diesem Moment wohl fühle! Trotzdem ist mir durchaus bewusst, dass dies so in den seltensten Fällen getragen wurde.

Um noch einmal meinen Standpunkt klar zu machen: Leben und Leben lassen! Ich sitze unendlich gerne in der Bibliothek (damit meine ich nicht tumblr oder Pinterest, ich spreche von Bibliotheken mit Büchern aus Papier) und wühle mich durch Berge alter Publikationen zum Thema Mode, Zeitgeschmack, Rezeptionsästhetik, Umgangsformen, Industriedesign etc. – trotzdem trage ich was mir passt!

Macht die Vergangenheit mit Euren neuen Ideen stolz

Ich bin mir sicher, dass die Ladies aus dem Vorgestern unheimlich stolz darauf gewesen wären, wenn sie miterleben könnten, wie sehr sie uns faszinieren und inspirieren.
Also meine Damen und Herren – lassen Sie uns die Manieren bewahren und gehen sie alle ein wenig herzlicher an diese Sache heran, die uns doch im Endeffekt alle verbindet.

In diesem Sinne und mit den besten Grüßen,

Miss van Dal
Das Stylingfräulein von meinvorgestern.

3 Kommentare

  1. Ihr Lieben!

    nur mal kurz zum Verständnis, wieso war dieser „Erklärungsbeitrag“ jetzt notwendig/angeraten? Hat sich jemand beschwert oder was musstet ihr klarstellen?

    Liebe Grüße
    Peaches

    Antworten

    • Liebe Peaches,
      nein, nein alles gut 🙂 Nur ab und an kommen Kommentare, nicht nur bei uns, sondern auch bei/über andere. Und das hat sich Miss van Dal mal zum Anlass genommen, über ihr Verständnis von Vintage zu sinnieren.

      Antworten

  2. Hey ihr Beiden!

    Der Beitrag ist sehr inspirierend! Wir leben nunmal in der heutigen Zeit und müssen uns zwangsläufig etwas anpassen, doch man muss nicht wie jedes x-beliebige/r „Primark-Mädel“ oder „Hollister-Typ“ rumlaufen. Wir haben einen Faible für die alte Zeit und versuchen es in unseren Alltag zu integrieren, sei es modisch, noch im eigenen Verhalten (Tugenden). Der eine mehr, der andere weniger. Es ist jedoch schwierig hundertprozentige Authentizität zu erreichen und das ist nicht schlimm.

    Das waren jetzt meine fünf Worte dazu. 🙂

    Liebe Grüße
    Daniel

    Antworten

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