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5 Serien, die dich sofort ins Vorgestern versetzen

Vintage Serien

Früher haben mich eingefleischte Serien-Fans eher irritiert. Jetzt weiß ich – es lag daran, dass ich damals nicht die richtigen Serien geschaut habe. Lange habe ich daher die Macht der Serien unterschätzt, sie ziehen dich in ihren Bann und fesseln dich über Wochen. Du leidest, freust dich und fieberst mit den Charakteren mit. Sie bereiten dir ein längeres Vergnügen, als ein 120 Minuten Film, der Abschied von ihnen ist am Ende schmerzvoller.
Ich bin der Überzeugung, dass sie dir das Wissen und die Erfahrung vermitteln, nach denen du unbewusst suchst, denn von einer guten Serie nimmt jeder Mensch etwas anderes mit.

Hier sind meine momentanen Lieblingsserien, jede für sich, meiner Meinung nach, ein kleines Meisterwerk. Ich versuche hier die Besonderheiten – ganz ohne Spoiler – aufzuzählen. Also, was schaut ihr als nächstes?

Boardwalk Empire (5. Staffeln)

Einigen können 5. Staffeln Angst machen, für mich ist es bisher meine längste und wohl intensivste Serienbeziehung. Beginnend in den 1920er findet man sich auf dem Boardwalk in Atlantic City wieder, einem Schauplatz für geächtete Gangster, dubiose Politikgeschäfte, Musik, Liebe und Prohibition. Mich begeistert die Liebe zum Detail, die Entwicklung der Charaktere, die komplett unerwarteten, teilweise brutalen, Wendungen, der heiße Jazz und die Kulisse. Man taucht sofort in die Welt ein, vergisst die Realität, die Schauspieler sind authentisch und eigen. Jeder Charakter hat seine Macken, davon nicht zu wenig, und genau das macht es spannend. Die Grenzen zwischen Gut & Böse verschwimmen. Was mich zusätzlich fasziniert hat, ist wie viel die Macher sich von tatsächlichen Persönlichkeiten und Begebenheiten inspirieren ließen. So taucht auch beispielsweise der temperamentvolle junge Al Capone mit seinen Machenschaften auf.

Uneingeschränkt empfehlenswert, mit der Prämisse, dass man in den nächsten Wochen keine wichtigen Termine hat. Absolute Binge Watching Gefahr!

Miss Fishers Murder Mysteries (3. Staffeln)

Bleiben wir in der Zeit, gehen jedoch ans andere Ende der Welt nach Australien. Für wen die Kombination aus Miss Marple und den Roaring Twenties verlockend klingt, wird Miss Fisher liegen. Jede Folge hat eine gute Portion Spannung und liebenswerte, wenn auch etwas verquere, Charaktere, Eleganz, Chic und vor allem eins – eine starke, humorvolle und selbstbestimmte Frau mit einem ungewöhnlichen und opulenten Lebensstil. Die junge Phryne Fisher flirtet gerne, trägt immer eine absolut perfekte und auffallende Robe, pfeift auf vorgeschriebene Rollenbilder und beweist sich als „Lady Detective“ in einer männergeprägten Gesellschaft. Die Serie basiert auf den Büchern von Kerry Greenwood. Sie ist perfekt zum Entspannen, ohne viel Aufregung, aber mit jeder Menge Humor, Selbstbewusstsein und Stil. Ich schaue die Folgen immer wieder gerne und es wird nie langweilig, denn wie es bei Krimis so ist, wenn etwas Zeit vergeht, kann man sich gar nicht mehr so genau erinnern, wer der Mörder war (was bei dieser Serie tatsächlich sekundär ist).

Masters of Sex (3. Staffeln +)

Ein verbitterter und von seinen Studien besessener Frauenarzt & eine alleinerziehende Mutter, die sich ohne Ausbildung bis zur Sexualforscherin hocharbeitet, erforschen in den 1950ern die menschliche Lust und das Sexualverhalten. Was geschrieben etwas trocken wirkt, wird in der Serie Masters of Sex von der Kämpferin Virginia Johnson und ihrer ungewöhnlichen Beziehung zu William Masters getragen. Man erhält realistische Einblicke in die sozialen Begebenheiten der 50er, die Geschlechterbilder und erfährt nicht zuletzt einiges über Sex (im privaten und medizinischen Sinn). Die ersten zwei Staffeln habe ich verschlungen (schöner Nebeneffekt: die Mode der 50er), ab Staffel 3 habe ich zugegebenermaßen etwas schlapp gemacht, nehme mir aber vor, definitiv weiter zu schauen. Nach dieser Serie kann man definitiv über Sex reden, ohne rot zu werden (in der Bahn sollte man lieber auf das Schauen verzichten, wenn man nicht komisch angeschaut werden will).

Bletchley Circle (2. Staffeln, insgesamt 7 Folgen)

Ebenfalls in den 50ern, jedoch in London, spielt diese Serie und handelt von menschlichen Abgründen, starken Frauenpersönlichkeiten und Teamgeist. Im namensgebenden Bletchley Park wurde während des Zweiten Weltkriegs geheimer Nachrichtenverkehr der Wehrmacht abgefangen und entschlüsselt. Jahre nach dem Krieg finden sich vier Frauen aus dieser Abteilung zusammen, um einige knifflige Kriminalfälle zu entziffern, mittels mathematischer Kombinationsfähigkeit und strategischem Denken. Die Serie ist düster, ungeschönt, die Hautpersonen vom Leben gezeichnet und dennoch schön und stark und mutig. Ich habe diese Mini-Serie geliebt, leider gibt es keine Folgestaffeln, aber möchte sie auf jeden Fall noch einmal schauen (und man lernt auch ein kleines bisschen etwas über angewandte Mathematik).

Call the Midwife (4. Staffeln +)

Es hat erst eine hartnäckige Nasennebenhöhlenentzündung gebraucht, bis ich mich auf diese Serie eingelassen habe. Jetzt kann ich sagen – wie konnte ich nur so lange warten?!

Zugegebenermaßen: Die erste Folge war für eine kinderlose, nicht medizinisch ausgebildete Person wie mich, eher etwas verstörend. Also nicht wirklich, aber man sieht halt Blut und Schmerzen und Angst und denkt sich im Stillen – und das machen alle Mütter durch?! Sobald man sich an das Setting – Nonnen, Hebammen und einen dicht besiedeltes, ärmliches Viertel im Londoner East End – gewöhnt hat, ist man gefangen. Gefangen in der Liebe zu den Charakteren, in der ungeschönten und doch irgendwie schönen Realität eines Arbeiterviertels der 50er Jahre. So viel Menschlichkeit habe ich noch nie durch eine Serie gefühlt; die Lebensumstände und die Geduld finde ich persönlich unglaublich inspirierend. Wenn man zu Beginn, wie ich, etwas irritiert ist – bitte mindestens bis Folge 3 schauen. Ich bin noch aktuell an der Serie dran, mit großer Leidenschaft, überlege mir aber gut, wann ich mir eine Folge gönne, denn leichter Konsum geht anders. Die Serie enthält keine konstruierten Happy Ends, denn sie ist bitter-süß. Genauso wie das Leben.

Wen es interessiert – Call the Midwife, Bletchley Circle & Miss Fishers Murder Mysteries (1. Staffel) habe ich über Netflix geschaut.

Da ich immer auf der Suche bin – was sind eure Lieblingsserien im Moment?

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