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Der Glaube an die ewige Liebe kostet viel

Vintage Hochzeiten

Die Hochzeitssaison dieses Jahr ist vorbei. Meine Bilanz: 2 von 2 besuchten Hochzeiten standen unter dem Motto „Vintage“. Die liebevoll verzierten Einladungskarten in Altrosé, die kunterbunte Wildblumendeko, die Barkeeper mit Hosenträgern – alles strahlte einen individuellen Charme vergangener Zeiten aus.

Vintage Hochzeiten
Die Hochzeit meiner Eltern? Zwei gelbstichige, verwakelte Fotos

Wenn ich mir dann meine eigene Familiengeschichte anschaue, wurden Trauungen in vergangener Zeit nicht annährend so zelebriert. Meine Eltern sind im kleinen Kreis zum Standesamt gefahren und zwar zwei Monate später, als zuerst geplant. Meiner Mama war das Geld für ein weißes Kleid zu schade, daher trug sie taupe-violett. An einen Hochzeitsfotografen hat auch niemand gedacht, mein Onkel sollte zwar das Ereignis festhalten, kam aber irgendwie mit der Kamera nicht klar. Das Ergebnis: Ein, zwei gelbstichige, verwakelte Bilder mit vielen fremden Rücken, das Hochzeitspaar erahnbar, während sie hastig unterschreiben. Danach wurde mit Freunden und Familie bei meinen Großeltern gegessen, wahrscheinlich auch gefeiert und eventuell standen auch Blumen auf dem Tisch. Davon gibt es allerdings keine Belege – mein Onkel hat wohl zu diesem Zeitpunkt seine Fotokarriere schon an den Nagel gehängt. Ihr Ziel haben meine Eltern allerdings erreicht – sie konnten eine eigene Wohnung beantragen und ihr Leben zusammen verbringen.

Vintage Hochzeiten
Hochzeiten stehen unter enormen Erfolgsdruck

Heutzutage werden die Hochzeiten immer durchdachter, sie müssen das Hochzeitspaar gleichermaßen widerspiegeln, sie sollen „der schönste Tag im Leben“ werden, die „Hochzeit des Jahres“, ein „unvergessliches Event“. Je moderner und komplizierter unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach  den alten Werten, der Stabilität einer Familie,  dem ewigen Versprechen, nach etwas, was uns in der rasanten Zeit Halt und Kontinuität gibt.

Vintage Hochzeiten
Seit der Jahrhundertwende schwankt die Zahl der Hochzeiten immer wieder, geht jedoch nicht so rasant-konstant zurück, wie die Jahrezehnte davor. Hochzeiten zu feiern wird wieder gesellschaftsfähig, zwar trauen sich nicht unbedingt mehr Paare, wenn aber, dann so richtig.
Ich weiß nicht genau, welches Budget meine Eltern zur Verfügung hatten. Da jedoch fast alles von der Familie vor- und zubereitet wurde, bleiben wohl Ausgaben für die Eheringe und der Essenseinkauf. Heutzutage nimmt man sich professionelle Unterstütztung zur Seite, da kann es schonmal in den fünfstelligen Bereich gehen.

Der Glaube an die ewige Liebe kostet viel

Denn wenn wir heutzutage schon „Ja“ sagt, dann soll es auch richtig krachen, denn wir sind ja die, die dieses Relikt aus der Vergangenheit am Leben erhalten, wir sind die, die trotz Seitensprungportalen und täglicher negativer Medienbericherstattung an die ewige Liebe glauben. Wenn man es nicht krachen lässt, dann hat man sich nicht genug bemüht, nicht alles gegeben, dann ist die Liebe nicht mal einen professionellen Fotografen wert. Sich zelebrieren, in den Mittelpunkt stellen, sich bewundern lassen für den Mut. Denn wenn heutzutage jemand sagt, dass er heiratet, ist man gerührt, über den Mut oder die Naivität.

If you like it then you should put a ring on it

Der Markt mit dem schönsten Tag im Leben boomt, Hochzeitsmessen gibt es in jeder größeren Stadt mehrmals im Jahr. Meistens ähneln sie sich: Viele ermühdete und angespannte Paare, unzählige, nahezu identische Messestände, stickige Luft, erwartungsvolle Atmosphäre.
Am Wochenende habe ich die Hochzeitsmesse Herzschlag & Co besucht.
Wobei man dieser Veranstalung mit dem Wort „Messe“ unrecht tuen würde – die Herzschlag & Co. zeigt in einer relativ kleinen Halle eine übersichtliche Auswahl an ausgewählten Ausstellern. Von allem gibt es nur ein Exemplar: Ein Ringestand, ein Weinstand, ein Törtchenstand und so weiter. Eine weitere Besonderheit: Die Aussteller dürfen sich „ins gemachte Nest setzten“ – der Veranstalter, die Eventagentur blickfang dekoriert im Vorfeld alle Stände passend zu Thema, Design und Feeling des Ausstellers. So ergibt sich, während man durch die Halle schlendert, ein rundes Gesamtbild, die Stände gehen in einander über, man fühlt sich fast wie im eigenen Wohnzimmer.

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So bekommt man ganz ohne Messestress Inspiration und kann ohne Warten und Drängeln mit lokalen Unternehmern direkt ins Gespräch kommen.
Und danach kann jedes Paar selbst entscheiden, wie viel ihnen was wert ist und wie ihr ganz persönlicher Hochzeitstag aussehen soll.

Vintage Hochzeit

Vielen Dank an Christa Goede & Thorsten Heyer für die tolle Organisation unserer Bloggerlounge

Vintage Hochzeiten

Lieben Dank auch an Fräulein Fine für die besonderen Leckereien

Vintage Hochzeiten
Danke Geile Weine für zwei geile Weine

Vintage Hochzeiten

Danke für die selbstgemachten Stullen vom Stullen Andi
Vintage Hochzeiten
und Danke an die Barmänner im Quadrat für die Geschmacksexplosion in Form eines Gin-Rhabarber Cocktails mit Chillifäden

Vintage Hochzeiten

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