Artikel
2 Kommentare

Seit wann tragen wir Frauen eigentlich Hosen?

Marlene Dietrich Marlenehose

Mittlerweile sind Hosen an Frauenkörpern nicht nur keine Sensation mehr, sondern nicht mehr wegzudenken. Und dennoch ist es (un-)geschriebenes Gesetzt- wer als Frau besonders weiblich wirken möchte, greift zu Kleid oder Rock. Was heute jeder Frau, ihrer Laune und ihrem Stil überlassen ist, galt vorgestern als außergewöhnlich und sogar verpönt.

Bloomers

Turnerinnen in Bloomers im Jahr 1899.

Die ersten Damen in Frauenhosen

Ellimans-Universal-Embrocation-Slough-1897-Ad

Radfahrerin trägt Bloomer-Hose in der Öffentlichkeit. Revolutionäres Werbeplakat aus dem Jahr 1897.

Im 19. Jahrhundert fand man ein hosenähnliches Kleidungsstück an einigen Damenkörpern im Radsport oder Reitsport. Dies galt als großes Ärgernis und Tabubruch. Da es natürlich viel einfacher ist, sich mit Stoff zwischen den Beinen minder aufreizend vor der Männergesellschaft auf ein Fahrrad zu schwingen, fand man daraufhin mit der sogenannten „Bloomer-Hose“ einen Kompromiss. Was den heutigen Haremshosen ähnelte, aber eigentlich nach wie vor wie eine Windel unter der Hose aussieht, konnte man entweder unter einem Rock oder als Fake-Rock tragen, da sie so weit geschnitten war. Männer waren jedoch grundsätzlich weder von fahrradfahrenden Frauen, noch von Frauenhosen begeistert, da sie sich dadurch offenbar bedroht fühlten und ihr Weltbild ins Wanken geraten war. Ab und an fand man vereinzelnd mutige, hosentragende Damen, dann eher im Sport oder im Theater, wo diese Männerrollen spielten. Die Frauenhose war allerdings kein Thema im modischen Alltag der Frau.

 

Hose als kleinstes Übel

Erst im Zuge des ersten Weltkriegs, fand die Hose eher an als tatsächlich für Frauen Einzug in das Stadtbild. Als „männlicher Ersatz“ waren die Frauen (und Männer) gezwungen, das Kleidungsstück als geringfügiges Übel hinzunehmen. Die Hoffnung hielt sich, dass nach dem Krieg wieder alles besser werde und sich normalisieren würde- auch die modischen Frauenkleidung.

Einzelkämpferin

Die deutsche Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich (*1901-†1992) machte in den 1930 die hochsitzende, lange und weit geschnittene Hose zu ihrem Markenzeichen- auch im Privatleben. Der sogenannte „Dandy Look“ wirkt durch die selbstbewusste Nutzung männlicher Kleidungstücke in Kombination mit feinen Stoffen androgyn und gleichzeitig sehr weiblich. Dazu braucht man Fingerspitzengefühl- gut sitzende Männeranzüge gepaart mit leichten Haarwellen, Blusen und Absätzen. Marlene war die Inspiration für viele Designerkollektionen (zum Beispiel Yves Saint Laurent mit dem Damen-Smoking), die bis heute immer wieder dieses modische Gefühl versuchen aufleben zu lassen.

Marlene

Marlene in ihrer berühmten Männerhose. Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-14627 / CC-BY-SA

Ob sich die Dietrich von den mutigen Hosenfrauen im 19.Jahrhundert hat inspirieren lassen oder einfach etwas Neues gewagt hat, die nach ihr benannte Marlenehose ist bis heute ein bekannter Modeklassiker. Was für uns heute gewöhnlich und schön ist, war für damalige Verhältnisse eine Sensation und wurde nur von wenigen Künstlerinnen nachgemacht. Bis in die 1970er hinein wurde es Frauen in europäischen Schulen, Restaurants und Kaufhäusern schwer gemacht, Hosen(-anzüge) zu tragen. Dennoch hängt das Kleidungsstück mittlerweile  in jedem Kleiderschrank in Deutschland. Was Marlene der breiten Öffentlichkeit vorgemacht hat, hat knapp 50 Jahre Mut gebraucht, um akzeptiert und geliebt zu werden. Marlene Dietrichs Vorgestern ist zu ihrer Zukunft und unserem Heute geworden.

Übrigens: Am 31.Januar letzten Jahres wurde in Paris das Hosenverbotsgesetz für Frauen in der Öffentlichkeit aufgehoben.

Quellen: Hoffmann (2012), Zeitlose Schönheiten in Management Magazin; Hölz (2013), Kleine Geschichte der Frauenhose, fplusd.org

2 Kommentare

  1. Dann könne die Frauen Marlene Dietrich ja dankbar sein, das sie die Hosen damals durchgesetzt hat. Röcke und Kleider sind schön, aber im Alltag ist eine Hose einfach praktischer.

    Antworten

    • Auf jeden Fall! Obwohl ich finde, dass Röcke bequemer sind, als ihr Ruf. Aber natürlich sind für einige Tätigkeiten Hosen gar nicht mehr wegzudenken 🙂

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.