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Einmal Fangirl sein? Mein Postmodern Jukebox VIP Erlebnis mit den Bandmitgliedern

Ich war noch nie ein Fangirl. Fangirls sind nervig, peinlich und überhaupt vollkommen unnötig. Als ich daher ein VIP Treffen mit einer meiner momentanen Lieblings“bands“ (von Musikern auch Musiker genannt) geschenkt bekommen habe, habe ich mich gefreut, war aber auch skeptisch: Ich, mit all den Menschen, die so große Fans sind, dass sich VIP-Karten holen? Ich bin doch ganz anders, ich verstehe doch tatsächlich was von Musik. Der Tag rückte näher und ich wurde immer aufgeregter. Was soll ich sagen? Wie zeige ich, dass ich nicht einfach Fan, sondern zugleich Gleichgesinnte bin, dachte ich mir. Diese Gedanken lähmten mich sogar das Konzert über, obwohl ich das allen, die sowohl auf aktuelle als auch auf vergangene Musik, energiegeladene Musiker und viel gute Laune stehen, total empfehle.

Nach dem Konzert – war es erstmal nicht soweit. Nein, ich wurde nicht wie gedacht, Backstage geführt, um bei einem gemütlichen Bier das Konzert Revue passieren lassen. Denn es hieß warten. Jedoch nicht auf Postmodern Jukebox, sondern bis alle Normalo-Konzertbesucher die Location verlassen haben, um bloß nicht einen Blick auf die glücklichen Vips und ihre Stars zu erhaschen. Wir (und mit wir meine ich noch weitere 17 Personen!) wurden also vor der Bühne eingezäunt, es wurde eine VIP-Wand aufgebaut und nach rund 30 Minuten konnte es los gehen. Nun standen wir uns gegenüber: In einer braven Reihe aufgestellt die Musiker von PMJ, auf der anderen Seite, kleine VIP-Grüppchen und ich. Die Tourmanagerin verkündete den Ablauf, zuerst stellen sich die Musiker vor, dann macht sie von jedem VIP + Musiker ein Gruppenfoto und dann kann das „Vintage Mingle“ beginnen.

Postmodern Jukebox VIP

Ähnlich wie beim Speed-Dating: Mingeln was das Zeug hält

Ich war an der Reihe, bevor ich „Hallo“ sagen konnte (oder auf meine grauselige Beinstellung achten konnte) war das Foto gemacht, keine Chance auf Wiederholung. Als die Fotos durch waren, kam man mit den Musikern ins Gespräch. Wobei ich eher das Gefühl von Speed-Dating hatte – sobald ich 5 Sekunden alleine stand, kam schon der nächste Musiker angestürmt. Die Verzweiflung beim Speed-Dating möglicherweise ersetzt durch die Klausel im Vertrag, bloß mit jedem VIP rumzumingeln. Und so legte man sich die Phrasen zurecht, die man bei jedem loswerden konnte. Ich hatte glücklicherweise (Danke, Jannis!) das Notenbuch von PMJ auf dem ich die Musiker bei ihrem Lieblingssong habe unterschreiben lassen (ärgere mich, dass ich nicht mehr weiß, welche Unterschrift von wem ist…). Mit einigen kam ich über Musik ins Gespräch, Ben the Sax Man lud mich sowohl zu sich nach New York, als auch zum Barbesuch danach ein (ich bin mir nicht sicher über die Intention, aber unser Facebook-Kontakt über meine Musik besteht immer noch). Andere interessierte mein Gesang. Man merkte auf jeden Fall, wer nur seinen Text runterratterte („Hello/ how are you/ should I sign this?) und wer sich auf eine Unterhaltung einließ. Wobei ich tatsächlich Respekt vor allen habe, bei einer ausverkauften Welt-Tournee mit täglich (!) wechselten Orten, wenn nicht sogar Ländern, noch nach jedem Konzert auf wildfremde Leute zuzugehen — ein Knochenjob, wie ich finde. Bei mir wären die sozialen Ressourcen schnell aufgebraucht. Aber wahrscheinlich kann man sich daran gewöhnen, so lautete die Antwort von Sarah Niemietz auf meine Frage, wie sie diese anstrengende Zeit überstehe: „Immer auf viel Schlaf achten!“

Songbook Postmodern Jukebox VIP

Das Geheimnis von Vollzeit-Musikern?

Im Nachhinein sind mir noch sehr viele Fragen zu jedem einzelnen eingefallen. Diese, aber auch die gestellten Fragen ließen mich nachts nicht so schnell einschlafen. Am nächsten Morgen wusste ich: Trotz vorheriger Skepsis und etwas Bammel war es ein ganz besonderes Erlebnis. Es hat mich meine Grenzen spüren lassen (ja, ich bin in bestimmten Situationen sehr schüchtern), es hat mir etwas besonderes gegeben, eine Prise besonderen Mut, die Erfahrung, hinter die Fassade geschaut zu haben. Ich war schon immer fasziniert von Vollzeit-Musiker, wie sie es schaffen, jeden Abend auf den Punkt alles zu geben, trotz Schnupfen perfekt live zu performen, emotional und sozial jeden Tag gefordert zu werden und trotzdem immer motiviert zu sein, das Privatleben über eine lange Zeit hinten anzustellen, mit allen Bandmitgliedern auszukommen, trotz Routine sich weiterentwickeln und doch nicht sein eigenes Ich aufgeben.
Auch nach diesem Treffen, bin ich nicht hinter dieses Geheimnis gekommen. Vielleicht weil es keins gibt. Vielleicht weil Professionalität genau das ist — Persönlichkeit zu zeigen, ohne sich von persönlichen Belangen beeinflussen zu lassen. Und sich Auszeiten zu nehmen, wenn gerade die Zeit da ist, sich unterzuordnen, und dennoch man selbst zu bleiben.

Hier sind übrigens meine Top-5 Postmodern Jukebox Cover (und hier gibts mein eigenes PMJ-Cover)

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