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Die Geschichte des Jazz – Schon gehört? (Video)

Die Geschichte des Jazz

Ich liebe Jazz für die Vielfalt und Möglichkeit je nach Laune, Situation und musikalischer Besetzung die unterschiedlichsten Formen anzunehmen.
Doch woher kommt der Jazz und wie unterscheiden sich die einzelnen Stilrichtungen? (Keine Lust zu Lesen? Ganz unten gibt es die Geschichte des Jazz in 165 Sekunden)

Ursprünge des Jazz: African-American Spirituals & Gospels

Die Ursprünge des Jazz liegen nun über ein Jahrhundert zurück. Im Süden der USA praktizierten religiösen African-American Spirituals & Gospels gaben Ende des 19. Jahrhunderts die Inspiration für eine neue Musikrichtung. Es ging um eine Art freie Straßenmusik, die Menschen durch eingängige Melodien zum Mitmachen und Mitsingen mitriss. Außerdem diente die Musik den Unterdrückten als Kommunikationsmittel, mit dem sie teilweise anklagende Botschaften über Missstände verbreiteten.

Neue Rhythmik im Jazz: Ragtime

Um 1900 entstand der Ragtime – eine neue Art, rhythmisch das Klavier zu spielen. Die linke Hand ersetzt dabei die Rhythmusgruppe einer Band. Dadurch wirkt die Melodie teilweise etwas zerrissen (ragged time – zerrissene Zeit). Bestes und berühmtestes Beispiel ist der Rag „The Entertainer“ von Scott Joplin, dem Hauptkomponisten des ursprünglichen Ragtime.

Geburtsort des Jazz: New Orleans

In New Orleans entwickelte sich zu der Zeit auch ein etwas freierer Musikstil mit mehr Improvisationsspielraum für die Musiker. Der New Orleans Jazz war ragtimeverwand, beeinflusste später  auch Blues und Swing. Vor allem entwickelten sich in New Orleans zu der Zeit starke Bands, mit einer guten Bläserbesetzung, die Paraden und Tanzveranstaltungen bespielten. Durch die üppige Besetzung wurde es auch möglich, in Songs das sogenannte „Call & Response Muster“ einzubauen, ein Part der Band spielt eine Melodie vor, ein anderer wiederholt oder antwortet darauf. Der Standort New Orleans hat so eine besondere Rolle in der Geschichte des Jazz. Er war durch die vielen Einflüsse wie ein Schmelztiegel, daher kann man sagen, dass Jazz – wenn nicht direkt erfunden – aber dennoch in New Orleans geboren ist und wachsen konnte.

Der Jazz wird weiß: Dixieland

Durch den, eher von afroamerikanischen Musikern vertretenen, New Orleans Jazz inspiriert, fanden sich vorwiegend weiße Musiker im Dixieland wieder. Im Allgemeinen wurde er etwas schneller, glatter und mit reineren Harmonien gespielt, als der New Orleans Jazz. Die typische Besetzung einer Dixieland-Formation besteht aus Rhythmusgruppe (Schlagzeug, Piano, Kontrabass, Gitarre) und der Melodiegruppe, bestehend aus Trompete, Klarinette und Posaune. Dabei ist die Trompete meistens das Lead-Instrument. Von New Orleans aus, verbreite sich Dixieland nach Chicago und New York.

Jazz für die Massen: Swing

Seit Mitte der 1925er Jahre entwickelt sich durch das Radio der Swing – sozusagen Jazz für die breite Masse mit großer Big Band Besetzung. Dazu passend entdeckte die Jugend der Amerikaner Lindy Bop, einen afroamerikanischer Tanzstil, der zu Swing getanzt wurde. Um der Wirtschaftsdepression, die den Alltag dominierte, zu entfliehen, wurde der heiße, fröhliche und freie Swing zur vorherrschenden Musik- und Populärkultur. Swing dominierte auch die Nachtklubs, wie beispielsweise den berühmten Cotton Club in New York, während der Zeit der Prohibition. Die Mehrzahl der (teilweise berühmten Musiker wie Duke Ellington oder Louis Armstrong) bestand aus Afro-Amerikanern, die sich mit der Zeit für eine Lockerung der Zutrittsbedingungen für Nicht-Weiße einsetzten.

Kommerzielle Abkehr: Bebop

Die Anfänge des modernen Jazz entwickelten sich ab den 1940ern mit dem Bebop. Mit der Zeit wurde der Swing für viele Musiker zu kommerziell, formelhaft und klischeebehaftet, daher experimentierten sie mit einer neuen Musikform. Sie versuchten, eine Musik zu entwickeln, die nicht mehr primär als Tanz- oder Unterhaltungsmusik fungierte und gegenüber den vorherigen Stilen eine erweiterte Harmonik hatte. Trompete und Saxophon übernahmen beim Bebop teilweise größere Parts und Unisoli.

Jazz und Exotik: Afro Cuban Jazz

Auf der Suche nach neuen exotischen Einflüssen spielten Musiker wie Dizzy Gillespies mit dem Kubanischen Perkussionisten Chano Pozo in den 40er Jahren. So wurden klassische Bebop Besetzungen mit lateinamerikanischen Rhythmen angereichert, die neue neue Improvisationen ermöglichten. Daraus entstand der sogenannte Afro Cuban Jazz, eine frühe Form des Latin Jazz.

Ruhig Blut: Cool Jazz

Die Geschichte des Jazz entwickelte sich weiter Anfang der 50er Jahre. Damals entstand als Antwort auf den schnellen und mit vielen Soli gespickten Bebop, eine langsamere, entspannte Art des Jazz – der Cool Jazz. Fokus wurde dabei weniger auf die einzelnen Komponenten einer Band, sondern auf das kunstvolle Zusammenspiel der Instrumente gelegt. Dadurch entstanden komplexe, vielstimmige Arrangements.

Jazz kehrt zurück in die Nische: Free Jazz

Ende der 50er, Anfang der 60er lösten sich Musiker teilweise in ihren Soli von der klassischen Jazzharmonik. Sie gingen mit Free Jazz bewusst einen Bruch mit traditionellen und konventionellen Spielweisen ein und experimentierten frei mit Atonalität und freier Rhythmik. Mit dieser Richtung ging Jazz wieder in eine Nische, teilweise mit avangardistischem, kunstvollen Anspruch.

Neue Einflüsse des Jazz: Funk, Rock, Soul

Die Entwicklung des Free Jazz bot zum einen eine gute Experimentierplattform für Musiker, stürzte den Jazz andererseits aber in eine Krise. Ende der 60er Jahre kam der dominierende Free Jazz bei einem breiten Publikum nicht an. Gleichzeitig eroberten andere Musikrichtungen, wie Funk, Rock und Soul die Herzen der Massen. Jazzmusiker griffen rhythmische Elemente, Tempo und Gefühl der Stilrichtungen auf und machten Crossover-Stücke, sei es Miles Davis mit seinen Rock-Jazz Alben „In a Silent Way“ oder auch jazzigen Funk-Soul.

Seit dem hat sich die Geschichte des Jazz immer weiter entwickelt und andere Musikrichtungen beeinflusst, wie Ska, Reggae oder Hip Hop.
Wenn ihr wissen wollt, welche Jazzrichtung ich am liebsten mag, hört mal hier rein.

Die Geschichte des Jazz in 165 Sekunden:

 

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