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Glück durch leeren Kleiderschrank? Aufräumen nach der KonMari-Methode

Kennt ihr das auch? Man wacht auf, freut sich auf den Tag, will etwas passendes zum Anziehen heraussuchen und dann – steht man vor seinem überfüllten, ungeordneten Kleiderschrank und was einen vor allem anspringt sind Kleidungsstücke die nicht passen, sich nicht gut anfühlen oder einfach nerven. Schon ist die Laune im Keller, man greift sich irgendwas raus und nimmt sich vor „mal wieder aufzuräumen“.

Ich bin in den letzten 4 Jahren 3 mal umgezogen, dabei habe ich immer versucht, unnötige Klamotten auszusortieren. Dennoch war mein neuer Kleiderschrank gleich nach dem Umzug wieder voll. Ich hatte zwar nie das Gefühl, Kleidungsstücke darin zu verlieren, aber ich hatte keinen Blick mehr, welche Sachen ich mag.

Magic Cleaning mit KonMari-Methode – Aufräumen soll das Leben verändern?

Eine Freundin erzähle mir der „KonMari-Methode“, entwickelt von der Japanerin und Aufräumfanatikerin Marie Kondo. Von Aufräumfanatikern habe ich mich bisher fern gehalten, penible Ordnung, Falttechniken, Check-Listen – meines Erachtens verlorene Zeit und Spießigkeit. Doch die Methode klang so simpel und mein Leidensdruck bezogen auf den Kleiderschrank so hoch, dass ich es einfach versuchen wollte. Außerdem versprach Marie Kondo, wenn man einmal richtig aufgeräumt hat, man das nie wieder wiederholen muss. Wie nach einer Verhaltensschocktherapie, die sich so einprägt, dass man es für immer beibehält. Außerdem soll man danach Dinge in seinem Leben besser verstehen, lernt dazu, wie und was man in Zukunft einkauft und was einen unglücklich macht.

Die KonMari-Methode in 6 Schritten

Ich kaufte mir also das Buch und begann zu lesen, ich erfasste den Kern des Ablaufs:

  1. Man muss sich klar, machen, wieso man Aufräumen will. Was ist das Ziel, der Traumzustand?
  2. Aufräumen nicht nach Orten, sondern nach Kategorien. Will man also Kleidung aufräumen, muss man alles holen, egal ob aus dem Schrank, der Kommode oder Keller und vor sich auf den Boden legen. Natürlich kann man in Unterkategorien vorgehen, also Jacken getrennt von Unterwäsche aufräumen.
  3. Man lässt die Kleidermasse auf sich wirken und bereitet schonmal ein paar leere Kleidersäcke zum Aussortieren vor.
  4. Danach nimmt man wirklich jedes Teil einzeln in die Hände, fasst es an und spürt in sich hinein. Man stellt sich eine Frage „Macht es mich glücklich?“. Bei Ja, kommt es auf eine Seite, bei Nein wird es aussortiert (vorher sollte man dem Kleidungsstück für die vergangene Zeit danken). Ganz wichtig: Diese Aktion macht man alleine und in Ruhe. Niemanden zeigen, was man aussortiert, das ruft Fragen und unnötige Emotionen auf.
  5. Dabei ist egal, ob es neu ist oder teuer oder ein Geschenk war. Es hat damals einen Zweck erfüllt, beim Einkauf, beim Schenken ect. Aber jetzt liegt es wie eine Last im Kleiderschrank und blockiert.
  6. Wenn man die Masse bewältigt hat, bleibt nur eins – richtig einsortieren. Marie Kondo schwört auf eine Falttechnik, bei der die Klamotten klein gefaltet werden und nebeneinander aufrecht wie Bücher aufgestellt werden. Dabei sollen sie weniger knicken, sich gegenseitig nicht erdrücken und auf den ersten Blick sichtbar sein.

Dazu gibt es viele Videos zur KonMari Falttechnik:

Der Realitätscheck

Nun zu mir: Ich hatte nie ein großes Problem, mich von Sachen zu trennen. Wenn mir dabei jemand auch noch eine Anleitung für mehr Glück im Leben verspricht – da war ich sofort Feuer und Flamme. Ich kam also nach einem langen Arbeitstag heim und dachte – so, jetzt packst du das an. Alle Sachen auf den Boden geschmissen. Geschluckt. Kurz überlegt, ob ich auch so den Weg zum Bett finde und mich einfach schlafen lege. Nachdem mein Freund das schockiert verneint hat, als er kurz den Klamottenberg sah, habe ich mich dagegen entschlossen und fing an. Ich zog also aufgeregt ein Kleidungsstück aus dem Haufen und fühlte… nichts.

Das beunruhigte mich. Ich las nach und merke, es ist normal, Kleidungsstücke sind keine hochemotionalen Gegenstände, wie Fotoalben. Deswegen empfiehlt die KonMari-Methode mit Kleidung zu beginnen, sich dann durch Bücher, Alltagsgegenstände bis hin zu Erinnerungssachen vorzuarbeiten.

Also versuche ich es mit Sachen, von denen ich wusste, ich mag sie sehr und mit denen, die ich als „Füllmaterial“ im Schrank liegen hatte. Und so kam ich langsam voran, aus 4 schwarzen Basic-Oberteilen wurde 1, aus 6 Hosen (wann hatte ich sie das letzte Mal an?!) wurden 2. Einige Kleidungsstücke auszusortieren machte mich traurig, einige legte ich beiseite, da ich sie aus emotionalen oder materiellen Gründen nicht in der Altkleidersammlung recyceln lassen wollte. Am Ende befinden sich 12 (!!!) Kleidersäcke im Flur und mein Schrank ist erschreckend leer. Das fühlt sich aber befreiend an. Von 4 Regalen sind 2 einfach komplett leer, die Kleiderbügel kann ich das erstmal Mal tatsächlich bewegen, nichts hängt mehr übereinander, die Pullis sind schön aufgereiht, Taschen und Tücher sind übersichtlich sortiert, meine Unterwäsche hat sich mehr als halbiert. Das macht mich stolz. Außerdem habe ich etwas über mich gelernt, welche Materialien mag ich (alle Polyester-Blusen wurden rigoros entsorgt), welche Schnitte mir gefallen, welche Farben mir gute Laune machen. Ich fühle mich leichter, erleichtert über die Dinge, dich mich wie Ankläger von den Regelrängen beäugt haben und flüsterten „Wieso ziehst du mich nicht an?“.
Doch komme ich mit der Anzahl der Sachen tatsächlich im Alltag über die Runden?

KonMari-Methode

Ja, diese Regale waren davor voll

KonMari-Methode

Pullis und Tücher sind nun übersichtlich aufgestellt

 

KonMari-Methode

Alte Taschen wurden endlich aussortiert

 Mein Schrank – nach 1 Monat

Die ersten Tage fühlen sich extrem gut an – ich stehe auf, ziehe die Vorhänge des Schrankes beiseite und sehe alles auf einen Blick. Ich entdecke Kombinationen, die ich früher nicht gesehen habe. Es fühlt sich an, als hätte ich meine Kleidung ein zweites Mal ausgewählt und gekauft, nicht mehr blind durch irgendwelche Motive getrieben, sondern bewusst. Ich lerne auch, dass es mir egal ist, in welchem Vintage-Jahrzehnt ich mich bewege, wenn ich eine Bluse mit Jeans anziehen will, dann mache ich das, weil zu mir und meinem Stil gehört. Der Druck ist weg, meine Klamotten sind meine Freunde. Tatsächlich merke ich aber auch, dass ich etwas Masse vermisse, aber nicht in Form meiner alten Kleider (ein Teil hat nach dem Aufräumen in meinem Kopf 2 Tage rumgespukt, das habe ich aus dem Sack gerettet). Es wäre schön, 2 oder 3 blaue Tops mehr zum drunterziehen zu haben, wenn ich welche sehe, die sich gut anfühlen, werde ich sie mir kaufen, denke ich mir. Allerdings habe ich in keinster Weise das Verlangen sofort in den nächsten Laden zu rennen und mich einzudecken. Es ist schön und anders, eben nicht aufgrund der Masse jeden Tag Ähnliches zu tragen, sondern neue Sachen auszuprobieren.

KonMari-Methode

Die hängenden Kleider nach Farbe sortiert

Und die Ordnung? Die bleibt tatsächlich. Natürlich habe ich nicht jeden Abend Lust, die Sachen schön zu falten, aber dann schaue ich in den Kleiderschrank und denke mir, ne, der ist so schön, das würde das Gesamtbild stören. Und meistens mache ich es dann. Dauert sogar nicht länger als es irgendwo in die Ecke zu knüllen.

Ich nehme mir vor weiterzumachen. Vor allem meine Kommode mit Schminke und Schmuck durchzuarbeiten. Aber es ist wichtig sich Zeit zu lassen. Marie Kondo nennt einen „kurzen Zeitraum“ von einem halben Jahr, in dem man Ordnung in der Wohnung schaffen kann. Das beruhigt mich. Man sollte sich nicht davon stressen lassen. Was ich erstmal nicht machen werde, sind Bücher auszusortieren, dafür ist unsere Bibliothek zu schön und die Sachen nicht in meinem täglichen Blickfeld.

Habt ihr schonmal so richtig ausgemistet? Was sind eure Erfahrungen und Tricks?

KonMari-Methode

8 Kommentare

  1. So ein schöner Beitrag 🙂
    Meinen Kleiderschrank miste ich zwei Mal pro Jahr aus, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst. Mein Make-up gehe ich regelmäßig durch und werfe alles weg, was entweder abgelaufen ist oder nicht mehr verwendet wird. Make-up und Mode mag ich und interessieren mich, deshalb macht es mir da auch Spaß, meine einzelnen Dinge durchzugehen, umzusortieren und auszumisten. Schlimmer ist es mit Papierkram. Der stapelt sich bei mir grundsätzlich oder landet unsortiert in einer hübschen Tüte… Da muss ich unbedingt etwas ändern.

    LG
    Sandra

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    • Danke dir! Ja, einen Sommer- & Winterkleiderschrank zu haben, ist natürlich perfekt. Bisher habe ich es nicht geschafft, meine dicken Pullis in den Keller zu räumen. Also irgendwie war nie wettertechnisch der richtige Zeitpunkt, dass ich mir dachte – ok, ab heute brauche ich sie die nächsten Monate nicht mehr. Über Papierkram schreibt Marie Kondo auch in dem Buch, da eine Ordnung reinzubringen ist nochmal eine Herausforderung. Schwierig dabei ist denke ich, am Anfang schon das Ablagesystem für das Sortieren zu überblicken und einzurichten. Ich habe einen „wichtigen“ Ordner, aber alles andere…puh… 😀

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  2. Liebe Marina,
    das liest sich als wäre es ganz einfach.
    Ich habe meinen Schrank zwar beim Umzug im Januar 2015 und diesen Jahr im Februar ausgemistet, aber Platz hat es keinen gegeben. Ich kann sagen es ist nicht mehr ganz so voll .
    Ich finde es ganz schwer mich von Sachen zu trennen. Ich habe, aufgrund meiner Gewichtsschwankungen , schon alleine 3-4 unterschiedliche Größen im Schrank. Das nimmt einfach Platz weg und immer weggeben und dann neu kaufen ist mir zu teuer. Vielleicht schaffe ich es ja doch mal eine Größe bei zu behalten, dann wäre deine Variante doch mal einen Test wert
    Liebe Grüße
    Nicole

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    • Liebe Nicole,
      leider war es nicht so einfach, wie diese paar Zeilen zu schreiben. Ich denke, jeder von uns hat so seine eigenen „Problemchen“, wenn es um den Schrank geht. Ich hatte beispielsweise einige geschenkte Sachen, da plagt mich immer noch das schlechte Gewissen (nach knapp 2 Monaten!), bei den Sachen die ich aussortiert, aber auch bei denen, die ich drin gelassen habe 😀
      Ich denke, eine Einheitslösung gibt es nicht, aber mir gefällt der Ansatz, beim Aussortieren, aber auch schon beim Kauf, zu verstehen, ob ich lange Freunde an dem Kleidungsstück habe, in dem ich mich frage, ob es mich glücklich macht oder machen wird. Und durch das Aussortieren von ein paar Dingen, habe ich erfahren, wieso ich manche Sachen nicht mag. Ich hoffe, das hält bis zum nächsten Shoppen an 🙂
      Viele Grüße!

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  3. Vielleicht ist es mit Kleidung so wie mit falschen Freunden. Man sollte keine Zeit und keine Gedanken an sie verschwenden und aussortieren, damit man für die echten Freunde Zeit und Platz im Herzen findet.
    Ein kurzes „Dankeschön“ und weg damit. So ist man sicher, dass man beim nächsten Schranköffnen ein wunderschönes Date mit einem Kleidungsstück verbringt, das einem durch dick und dünn zur Seite steht.

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    • Ich finde, das ist eine sehr passende Metapher, Sonja! Leider weiß man nicht immer im Voraus, welche Kleidungsfreunde für länger sind, sonst würde man sich einiges ersparen. Und- müsste man nicht auch selbst etwas dafür machen, wie z.B. Beziehungspflege in Form von Instandhaltung der Kleidung? Vielleicht geht das dann auch zu weit 🙂

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  4. Hallo Marina,

    vielen Dank für Deinen Bericht. Ich habe die Konmari-Methode erst entdeckt und höre gerade das Hörbuch. Aber ich habe schon begonnen, einzelne Schulbladen mit Socken und Pullovern nach dem Prinzip auszusortieren und neu einzuräumen. Ich denke, das System passt gut zu mir, wobei ich noch nicht an den wirklich „großen Kleiderschränken“ war…. und beim Papierkram bin ich in einigen Punkten grundsätzlich anderer Meinung als Marie. Aber ich denke, es ist wie bei Feng-Shui, jeder muss für sich die Essenz aus der Methode ziehen und auf seine Verhältnisse anpassen. Auf jeden Fall gibt es mir ein gutes Gefühl mich intensiver mit meinen Kleidungsstücken zu beschäftigen und nach dem Empfinden beim Anfassen zu „horchen“, anstatt ständig etwas Neues zu kaufen.
    Danke, dass Du einen so ehrlichen Bericht geschrieben hast und mir damit den Mut zum weitermachen gegeben hast! Die großen Brocken kommen bei mir noch…. 🙂
    Liebe Grüße
    Kessy

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    • Liebe Kessy, ja, unbedingt weitermachen. Wie schon gesagt, ich hatte eines Abends mal genug vom Anblick im Schrank und habe es durchgezogen. Allerdings muss ich sagen, knapp 1 Jahr und 1 Umzug später, müsste ich es fast nochmal wiederholen. Also der Schrank sieht nicht mehr schlimm aus, wie damals, aber einige Kleidungsstücke müsste ich auch „Happiness“ überprüfen. Zu Zeiten von Online Shopping kann man ja nicht jedes Teil vorher genau unter die Lupe nehmen.
      Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg, und berichte gerne mal, wie es sich bei dir entwickelt 🙂

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