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100 Jahre Stylinggeschichte im Schnelldurchlauf – Über Qualität und Quantität

100 Jahre Stylinggeschichte

Momentan wird der Blick auf die Vergangenheit in Youtube Videos zelebriert. Es gibt einige virale Videos über die Entwicklung der Mode-, Frisur- und Make-up Geschichte in den letzten 100 Jahren. Manche sind ehrlich gesagt ziemlich stümperhaft gestylt, Quantität vieler Jahre in ein Video zu pressen, geht da vor Qualität des Make-ups und der Frisur. Deswegen wollte ich eigentlich über keines der Videos schreiben. Dann wurde ich jedoch auf eins aufmerksam, welches die individuelle Geschichte eines Landes in ihrem Styling berücksichtigt. In der deutschen Version heißt es somit Ossi vs. Wessi Style.

Deutsche Stylinggeschichte – Ossi vs. Wessi Style

Auf den ersten Blick fiel mir auch hier eine Art „Kate-Moss-Herangehensweise“ an die Frisuren der 1910er – 1940er auf. Ich denke kaum, dass die Frauen damals sich annähernd so schlampig frisiert hätten. Was der (Braut-?)Schleier am Anfang soll weiß ich selbst nach mehreren Wiederholungen nicht.
Ab den 50ern wird es jedoch interessant – tatsächlich werden ziemlich unterschiedliche Stylings parallel gezeigt. Mir kam die Frage nach den Quellen auf, denn grundsätzlich ist es so, dass Mode und Make-up schon immer ziemlich vielfältig auslegbar waren und verschieden gelebt wurden. Die Herausforderung und gleichzeitig die Gefahr bei einem solchen Video liegt in der Generalisierung.
Bei der Recherche bin ich auf das „Research Behind the Looks“ Video gestoßen. Darin zeigt Chris Chan, der zuständige Video Researcher, die historischen Grundlagen ihrer Styles. Die Frisuren des Westens wurden von damaligen Stars inspiriert – Hilde Knef, Romy Schneider, Nena – definitiv eine probate Herangehensweise.

Vergrößerungsglas und Inspirationsquelle

Das Styling im Osten leiteten sie von Propaganda Plakaten und „Streetstyle“ Fotos ab. Natürlich ist es filmisch interessanter, Extreme und Randgruppen zu zeigen, wie den ultimativen Hippie und Punk-Look. Und genau das macht das Video wiederum interessant. Es ist kein eins-zu-eins Abbild der damaligen Trends mit Vollständigkeitsanspruch, sondern ein Vergrößerungsglas auf bestimmte Strömungen und Zustände damals. Mehr sollten Styling-Videos auch nicht sein.

Auch dieses Schnelldurchlaufvideo ist handwerklich keine Glanzleistung. Dennoch hat es einen interessanten Ansatz und man merkt, dass sich die Macher Gedanken gemacht und sich in die Materie hineingearbeitet haben. Als Inspiration und schneller Überblick super geeignet, zum Nachstylen eher nicht so empfehlenswert.

Sozialistischer Verbündeter im Vergleich

Modisch interessant ist in diesem Zusammenhang der Blick auf Russland – in der Zeit sozialistischer Partner und möglicherweise Modevorbild von Ost-Deutschland. In diesem Video finde ich die Styles sogar etwas schöner, mit Liebe zum Detail umgesetzt. Und auch hier zeigt sich, dass diese Videos nie die politische Entwicklung des Landes aus dem Styling ihrer Models rauslassen.

Inspiration über Jahrzehnte und Ländergrenzen hinweg

Und nach den ganzen Videos bin ich mir umso mehr bewusst, wie wunderbar es ist, genau im Hier und Jetzt zu leben. Wir haben den Luxus, uns nicht nur aus verschiedenen Jahrzehnten inspirieren zu lassen, sondern auch über Ländergrenzen hinweg die unterschiedlichsten Looks zu adaptieren. So wird jeder Tag zu einem neuen Abenteuer.

Falls ihr an einem Tag Lust auf  eine einfache und stilechte Pin-Up Victory Rolls Frisur, ein dramatisches 40er Jahre Film Noir Styling oder einen natürlichen Sixties Look  habt, solltet ihr euch die Tutorials unseres Stylingfräuleins anschauen.

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